In Österreich sollte laut Lehrplan jedes Schulkind davon im Unterricht hören: SDGs und damit über 4.7 „Global Citizenship Education“. Falls das bei euch in der Schule nie Thema war oder ihr eine Auffrischung braucht, seid ihr hier richtig. Let’s go!
Was sind SDGs nochmal?
Die Abkürzung steht für Sustainable Develpoment Goals. Sie sind die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN). Sie werden oft auch Global Goals oder nur Entwicklungsziele genannt und sollen bis 2030 bestmöglich umgesetzt werden. Diese Ziele wurden 2015 im Rahmen der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung in Incheon, Südkorea beschlossen. Aufbauend auf den Millenniumentwicklungszielen wurden folgende Bereiche für die SDGs abgesteckt: [1]
Von Armuts- und Welthungerbekämpfung über Gesundheit, Gleichberechtigung, Umweltschutz und Bildung hat die UN die größten 17 Weltprobleme unserer Zeit identifiziert. Diese Ziele wurden beschlossen, um Verbesserungen messbar(er) und vergleichbar(er) zu machen. Die UN-Mitgliedstaaten sollen weiterhin gemeinsam an diesen globalen Herausforderungen arbeiten, so die Idee.[ii] Man will Wohlstand für alle schaffen, ohne soziale, wirtschaftliche und umwelt-betreffende Herausforderungen zu vernachlässigen.
Global Citizenship Education #weltbürger:in
Global Citizenship Education (GCED) fällt unter das Ziel 4 „Hochwertige Bildung“. Als ein Unterpunkt mag dieser Begriff unscheinbar wirken. Heutzutage können Menschen weltweit Handel betreiben, über Ländergrenzen hinaus kommunizieren und verreisen. Diese grenzübergreifenden Aktivitäten können andere Regionen der Welt beeinflussen. Das Bildungsziel 4.7 lautet konkret:
“Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung “ [iii]
Das Ziel verdeutlicht: Komplexe Zusammenhänge sollen verstanden werden. In der Umsetzung wird auf den Begriff Global Citizenship Education bzw. Weltbürgerschaft gesetzt. Lehrkräfte sollen im Unterricht „kognitive, sozio-emotionale und verhaltensbezogene“ Lernbereiche der GCED bearbeiten. Verschiedene Organisationen, wie die UNESCO, stellen Leitlinien und Hilfestelllungen für GCED-Unterrichtseinheiten bereit.
Die Vereinten Nationen selbst definieren nicht genau was konkret unter Global Citizenship Education fällt. Sie betonen jedoch die Wichtigkeit ein globales Verständnis und gemeinsame Werte an die nächsten Generationen zu vermitteln, um mit künftigen Herausforderungen umgehen zu können. Die Bildungssysteme unserer Welt sind daher gefragt, um Schüler:innen ein Verständnis für verschiedene Themen, wie Friedenssicherung, Gleichberechtigung oder nachhaltige Wirtschaftspraktiken aus verschiedenen Blickwinkeln zu lehren. Zudem geht es darum ein Verantwortungsgefühl für die Umwelt und (Mit)Menschen zu entwickeln und dementsprechend zu handeln. [iv]
Warum GCED nicht unumstritten ist
Die Formulierung des Unterziels 4.7 ist nicht unumstritten. Die Kritik, das Ziel und der Begriff GCED beinhalten zu viel. Zudem sei das „Wie“ zur Erreichung des Ziels zu ungenau formuliert. Das erschwert die Messung der Zielumsetzung. Kritisch zu betrachten ist auch, dass GCED eine westlich geprägte Sichtweise enthält. Dadurch können verschiedene kulturelle Gegebenheiten und das Bildungssystem im jeweiligen Land nicht ausreichend berücksichtigt werden. In einigen Ländern, vor allem im globalen Süden, fehlen zudem die Grundlagen für hochwertige Bildung, bevor über GCED nachgedacht werden kann.
Mangelnde Selbstreflexion bei Schulprojekten in westlichen Ländern ist eine Hürde. Koloniale Kontexte werden oft vernachlässigt, wenn über globale Zusammenhänge gesprochen wird. Denn die Umsetzung von GCED ist stark vom kulturellen und geopolitischen Umfeld eines Landes abhängig. Eine Lehrkraft, die in einem Kriegsgebiet unterrichtet, hat eine andere Perspektive auf Frieden und Gewaltfreiheit als eine Lehrperson, die in einem friedlichen Land lebt.
Wissenschaftliche, politische und schulpraktische Aspekte bei der GCED-Umsetzung
Was genau macht eine:n Weltbürger:in im Sinne der GCED aus? Seit den 2010er beschäftigten sich Bildungs- und Sozialwissenschaftler:innen damit. Laura Oxley und Paul Morris (2013) fanden heraus, dass man Weltbürger:innen in acht verschiedenen Typen abbilden kann: „politisch, moralisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial, kritisch, umweltbewusst und spirituell“ (S. 318). Aktuellere Studien befassen sich mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf GCED. Ein Trend: Genauere Definitionen werden benötigt.
Die Berücksichtigung von verschiedenen Weltbürger:innen-Typen und Kulturen, erscheinen essentiell für die Bewertung der Lehrpläne für die Umsetzung der GECD. Die (wirtschaftlichen) Beziehungen zwischen Ländern des Globalen Nordens und Südens, demokratische Prozesse und politische Partizipation, sowie Machtstrukturen und Gerechtigkeit sind Themen, die aus wissenschaftlicher Sicht ihren Platz im GCED-Unterricht haben sollten.[v] Seit 2017 gibt es das Academic Network on Global Education & Learning (ANGEL). Es dient Wissenschaftler:innen zum Austausch über GCED-Forschungen und Bildungsstrategien.
Bildungsinitiativen findet man auch in Europa. Das Global Education Network Europe (GENE) ermöglicht Ministerien, Lehrkräften und Bildungsorganisation einen Austausch. Gemeinsam werden so global-gedachte Bildungsstrategien entwickelt, die Entscheidungsträger:innen auf ihre jeweilige nationalen Ebenen anpassen können. Abseits der genannten Kritikpunkte eröffnen sich aus schulischer Sicht neue Chancen. Schulen organisieren vermehrt Projekte, mit einem Fokus auf globales Lernen und vernetzen sich untereinander.[vi]
Beitrag leisten – aber wie?
Auch wenn man nicht Lehrer:in ist, kann man den Gedanken von GCED im eigenen Freund:innenkreis verbreiten. Eigene Denkweisen hinterfragen, über globale Themen sprechen und gegebenenfalls das eigene Verhalten anpassen. Mit Aktivitäten kann man die Bildungsziele genauso unterstützen: etwa durch Freiwilligenarbeit in einem Nachhilfe-Café für sozial-benachteiligte Kinder im Inland. Oder im Ausland durch Spenden für internationale Schulprojekte.
Jetzt wisst ihr mehr über SDGs und GECD. Drop euer neues Wissen und Lösungsideen raus in die Welt, denn „Beim Reden kommen die Leut‘- zs‘am“ und gemeinsam lässt sich (fast immer) eine Lösung finden.

